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Der Löwenmensch und andere weltberühmte Kunstwerke des Lonetals

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Wussten Sie, dass im Lonetal die spektakulärsten und wahrscheinlich ältesten Zeugnisse frühester menschlicher Kultur gefunden wurden? Bei Ausgrabungen in den Lonetalhöhlen wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrere kleine, meist vollplastische Elfenbeinfiguren entdeckt. Die mit Steingeräten aus Mammutstoßzähnen geschnitzten Plastiken sind die weltweit ältesten Belege beweglicher Kunst. Sie zeigen die für den Menschen wichtigen Jagdtiere, aber auch gefährliche Zeitgenossen wie den Höhlenbären und den Höhlenlöwen, deren Kraft und Stärke bewundert wurde. Spektakulärer Ausdruck dieser Faszination ist der Löwenmensch, die weltweit einzigartige Elfenbeinfigur, entdeckt im Hohlenstein-Stadel im Lonetal.

Die meisterhaft aus dem Stoßzahn eines Mammuts geschnitzte Statuette verbindet tierische mit menschlichen Attributen. Tierisch sind der Löwenkopf, der langgestreckte Körper und die prankenartigen Arme, menschlich die Beine und Füße sowie die aufrechte Haltung. In der fantastischen Gestalt des Löwenmenschen ist uns ein einzigartiges Relikt erhalten, das in eine Sphäre geistig-religiöser Vorstellungen der Menschen der letzten Eiszeit verweist. Die Figur gibt uns einen faszinierenden Einblick in das komplexes Weltbild unserer frühesten Vorfahren, das die tägliche Auseinandersetzung mit der Natur eindrucksvoll widerspiegelt.

Der Löwenmensch ist jedoch nur die Krönung zahlreicher archäologisch bedeutsamer Funde im Lonetal. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Lonetal durch die Entdeckung von 11 kleinen Elfenbeinfiguren in der Vogelherdhöhle in Fachkreisen weltbekannt. Neben den einzigartigen Kunstwerken wurden im Lonetal noch viele weitere archäologisch bedeutende Zeugnisse unserer urzeitlichen Vorfahren gefunden.

Der Löwenmensch

Der Löwenmensch wurde am 25. August 1939 bei den Ausgrabungen von Otto Völzing und Robert Wetzel im Hohlenstein-Stadel im Lonetal entdeckt. Dieses Felsmassiv war von 1937-39 und 1956-61 Ziel umfangreicher Untersuchungen. Am letzten Grabungstag des Jahres 1939 barg Otto Völzing im rückwärtigen Teil der Höhle annähernd 200 Elfenbeinsplitter. Die Grabungen mußten anschließend aufgrund des Beginns des 2. Weltkrieges abgebrochen werden.

Die Bedeutung der Funde wurde erst 30 Jahre später im Ulmer Museum entdeckt. 1969 stieß Joachim Hahn (1942-1997) bei Inventarisierungsarbeiten auf die verpackten Fragmente. Er bemerkte Schnitzspuren an zahlreichen Bruchstücken und fügte die Einzelteile zu einer fast 30 cm großen, vollplastischen Figur zusammen: Eine aufrecht stehende Gestalt mit tierischen und menschlichen Merkmalen. Über bisher vier Radiokarbondatierungen an Tierknochen aus der Umgebung der Fundstelle konnte das Alter der Figur auf ca. 32 000 Jahre vor heute bestimmt werden. Nahe der Statuette kamen einige Abwurfstangen vom Ren, mehrere durchlochte Zähne vom Eisfuchs, Elfenbeinanhänger sowie einige Waffenspitzen aus Geweih zu Tage, die vielleicht in Verbindung mit dem Löwenmenschen im hinteren, dunklen Teil der Höhle deponiert worden waren.

Der zunächst nur unvollständig erhaltene Kopf wurde richtig als der eines Tieres (Löwe oder Bär) erkannt. Nach Auffindung und Anpassung weiterer Fragmente vor allem des Kopfes und des zweiten Armes konnte die Statuette 1988 umfassend restauriert werden. In diesem Zuge entstand eine umfassende wissenschaftliche Bearbeitung durch Elisabeth Schmid (1912-1994). Der Kopf war nunmehr zweifelfrei als der einer Raubkatze zu identifizieren, die aufmerksam in die Ferne blickt. Beide "Arme", von denen sich der schlechter erhaltene rechte nicht mehr direkt an den Corpus ansetzen ließ und daher nicht montiert ist, liegen eng am Körper an. Im Gegensatz zu Joachim Hahn kam Elisabeth Schmid zu dem Schluss, dass es sich um die Figur einer Frau mit dem Kopf einer Höhlenlöwin handele. Seitdem war und ist das Geschlecht des Löwenmenschen immer wieder Gegenstand teils stark ideologisch gefärbter Auseinandersetzungen vor dem Hintergrund der Stellung der Frau in altsteinzeitlichen Gesellschaften.

Eine sichere Deutung als weiblich oder männlich muss aber an der fragmentarischen Erhaltung der Statuette scheitern, deren originale Oberfläche an vielen Stellen des Corpus, insbesondere im Bereich des Ober- wie Unterkörpers, abgeplatzt und nicht mehr erhalten ist.

In der Figur des Löwenmenschen besitzen wir ein Relikt aus einer kaum deutbaren Vorstellungswelt des frühen Homo sapiens, deren Überbleibsel uns nur in winzigsten Ausschnitten Form einiger weniger fragmentarisch erhaltener Tierfigürchen erhalten blieb. Fast alle dieser einzigartigen Kunstwerke wurden im Lonetal gefunden.

Die Statuette vom Hohlenstein-Stadel ist die mit Abstand größte und spektakulärste Figur dieses Ensembles ältester beweglicher Kunst der Menschheit aus dem Zeitraum vor 30 000 bis 40 000 Jahren. In der fantastischen Gestalt des Löwenmenschen ist uns ein einzigartiges Relikt erhalten, das in eine Sphäre geistig-religiöser Vorstellungen der Menschen der letzten Eiszeit verweist. Die Figur gibt uns einen faszinierenden Einblick in das komplexe Weltbild unserer frühesten Vorfahren, das die tägliche Auseinandersetzung mit der Natur eindrucksvoll widerspiegelt.

Text nach Kurt Wehrberger M.A.

 

Die Elfenbeinfiguren vom Vogelherd

Im Mai 1931 führte ein Dachs den Heimatforscher Hermann Mohn zum Eingang der damals noch unbekannten Vogelherdhöhle. Der Dachs hatte kleine steinzeitliche Feuersteinstückchen aus dem Erdreich an die Oberfläche geschaffen. Mohn erkannte diese und informierte den Urgeschichtler Dr. Gustav Riek von der Universität Tübingen, der bereits am 5. Juli 1931 mit den Ausgrabungen an der Vogelherdhöhle begann.
Diese Ausgrabungen förderten 11 aus Mammutelfenbein geschnitzte Tierplastiken zu Tage - ein sensationeller Fund, denn aus ihrer Entstehungszeit vor 30.000-40.000 Jahren waren bislang nur Gebrauchsgegenstände wie z.B. Speerspitzen und Keile bekannt gewesen. Zusammen mit den Kleinkunstwerken aus dem Geißenklösterle im Achtal stellen die Figuren die ältesten datierten Kunsterzeugnisse dar.

Die Figuren wurden an derselben Stelle aber in zwei unterschiedlichen Grabungsschichten entdeckt. Dies bedeutet, daß sie zeitlich Jahrzehnte wenn nicht gar Jahrhunderte voneinander getrennt sind. Warum die Fundstücke vor über 30.000 Jahren an derselben Stelle zurückgelassen wurden, läßt sich heute nur noch erahnen, vielleicht hatte die Vogelherdhöhle für die damaligen Menschen eine besondere mystische oder religiöse Bedeutung.

Die untere Grabungsschicht förderte insgesamt sechs Figuren zu Tage: Zwei Mammute, ein Wildpferd, ein Rentier, einen Bären und eine Raubkatze, die von Gustav Riek zunächst als Panther, später aber als Höhlenlöwe identifiziert wurde. Zu den prachtvollsten Stücken gehört eine 5cm große Mammutfigur, die mit fast allen Körperteilen des Mammuts nachgebildet wurde. Auffallend sind jedoch die fehlenden Stoßzähne sowie die X-Zeichen, die an Schulter, Kopf, Lenden, Bauch und Schwanzwurzel eingekerbt wurden.

Neben dem Mammut kann das 4,8 cm große Pferdchen als das Meisterstück des Vogelherds bezeichnet werden. Mit seinem gebogenen Hals und seinen runden Formen wirkt es außerordentlich elegant und spiegelt eindrucksvoll die handwerklichen Fertigkeiten der frühen Menschen wider.

Zu den in der oberen Grabungsschicht gefunden Plastiken zählen ein Mammut, ein Bison, vermutlich ein Höhlenlöwe sowie eine weitere Figur, die eine menschliche Gestalt darstellen könnte. Keiner Schicht zugeordnet werden konnte der Kopf eines Höhlenlöwen.

Archäologie im Lonetal

Die archäologische Erforschung des Lonetals verlief in mehreren Phasen, immer geprägt von jeweils aktuellen Theorien und Wissenschaftsverständnissen. Erste Ausgrabungen fanden schon im 19. Jahrhundert statt, zu einer Zeit, als durch die Arbeiten von Charles Darwin auch die Rolle des Menschen in der Geschichte neu definiert wurde. Der prähistorische Mensch hatte nach den Vorstellungen der kirchlich-religiösen Weltanschauung bisher nicht existiert, die evolutorische Sichtweise Darwins hingegen sprach für eine weit in die Vergangenheit zurückreichende, von allmählichen Anpassungen geprägte Entwicklungsgeschichte des Menschen. Diese neue Sichtweise gab den Anstoß für Geologen, Paläontologen und interessierte Laien für erste Forschungen, auch im Lonetal, das aufgrund seiner geologischen Besonderheiten besonders vielversprechend zu sein schien.
Oskar Fraas
Der Geologe Oskar Fraas (1824-1897) war einer der ersten, die im Lonetal Ausgrabungen durchführten. Förster Michelberger hatte ihn auf eine kleine Höhlenöffnung neben dem Hohlenstein-Stadel aufmerksam gemacht. Dort fand Fraas 1861-62 über 10.000 Knochen von Höhlenbären, darunter 88 Schädel. Dabei fand er auch menschliche Hinterlassenschaften, die er jedoch zunächst in ihrer Bedeutung nicht erfaßte. Erst bei späteren Ausgrabungen an anderer Stelle im Jahre 1866 erkannte Fraas die Funde als urgeschichtliche Werkzeuge. Damit konnte bewiesen werden, daß auch im Lonetal der Mensch Zeitgenosse der inzwischen ausgestorbenen Tiere war - der Nachweis des urgeschichtlichen Menschen war gelungen.

Ludwig Bürger und Friedrich Lösch

Angeregt von den Funden im Hohlenstein von Oskar Fraas und der Veröffentlichung des Romans "Rulamann" im Jahr 1873 gruben der Langenauer Förster Ludwig Bürger (1844-1898) und der Öllinger Pfarrer Dr. Friedrich Lösch 1881 erstmals in der Bocksteinhöhle. Sie fanden damals u.a. menschliche Skelette, die erst 1997 wiederentdeckt und auf 6200 Jahre vor Christus datiert und damit der Mittelsteinzeit zugeordnet wurden. Nachdem der Nachweis früher Menschen gelungen war, stoppten die Ausgrabungsbemühungen im Lonetal für längere Zeit.

Gustav Riek

Im Mai 1931 führte ein Dachs den Heimatforscher Hermann Mohn zum Eingang der damals noch unbekannten Vogelherdhöhle. Der Dachs hatte kleine steinzeitliche Feuersteinstückchen aus dem Erdreich an die Oberfläche geschaffen. Mohn erkannte diese und informierte den Urgeschichtler Dr. Gustav Riek (1900 - 1976) von der Universität Tübingen, der bereits am 5. Juli 1931 mit den Ausgrabungen an der Vogelherdhöhle begann.

Diese Ausgrabungen förderten 11 aus Mammutelfenbein geschnitzte Tierplastiken zu Tage - ein sensationeller Fund, denn aus ihrer Entstehungszeit vor 32.000 Jahren waren bislang nur Gebrauchsgegenstände wie z.B. Speerspitzen und Keile bekannt gewesen.

Neben diesen weltweit für Aufmerksamkeit sorgenden Funden wurden von Gustav Riek in der Vogelherdhöhle noch zahlreiche weitere Gegenstände zu Tage gefördert, so dass der Vogelherd bis heute die bedeutendste Fundstelle des Lonetals geblieben ist.

Robert Wetzel

Im Frühjahr 1932 suchte Robert Wetzel (1898-1962), inspiriert von den sensationellen Funden in der Vogelherdhöhle, das Lonetal auf um nach weiteren Zeugnissen der Urzeit zu suchen. Anton Bamberger machte ihn dabei auf das Verschwinden von Füchsen in den Spalten des Bocksteins aufmerksam und Ausgrabungen brachten zahlreiche Fundstücke zu Tage. Darunter die Werkzeugreste aus Stein, die den Neandertalern vor 50.000-70.000 Jahren zugeordnet wurden. 1935 unternahm Wetzel parallel Grabungen im Hohlenstein, damals noch hinter der Ulmer Mauer. 1937 entdeckten Sie dabei die Kopfbestattung der 3-köpfigen Familie. Die Ausgrabungen am Hohlenstein-Stadel wurden 1939 durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges unterbrochen. Am 25. August jedoch, dem letzten Grabungstag, barg der Grabungsleiter vor Ort Otto Völzing (1910-2001) zahlreiche Bruchstücke aus Mammutelfenbein.

Die Funde wurden nach dem Krieg von Robert Wetzel an das Ulmer Museum übergeben. Erst 30 Jahre nach ihrem Fund wurden die Stücke vom Archäologen Joachim Hahn wiederentdeckt. Er bemerkte Schnitzspuren und fügte aus über 200 Einzelteilen eine bruchstückhafte Figur zusammen. Es vergingen nahezu weitere 20 Jahre bis die Figur in ihrer jetzigen Form, dem Löwenmensch, restauriert wurde.

Erst nach dem Weltkrieg konnte Wetzel seine Ausgrabungen weiterführen. 1953-56 untersuchte Wetzel den Hang unterhalb der Bocksteinschmiede und das Gebiet vor der Bocksteinhöhle. Auch die Bärenhöhle im Hohlenstein war Gegenstand von Wetzels Grabungen, bis diese 1961 aufgrund des Todes von Robert Wetzel beendet wurden.

Nach seinem Tode fanden im Lonetal keine nennenswerten Ausgrabungen mehr statt. Robert Wetzels Vision eines vernetzen Forschungsansatzes, der neben der Archäologie auch die verwandten Wissenschaften wie Geologie, Petrographie, Paläozoologie, Paläobotanik und Anthropologie einbezog, und dem Lonetal als Projekt mit internationalem Modellcharakter, konnte damit leider nicht mehr erfüllt werden.

 

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