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Mammutjäger vom Lonetal

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Es ist Spätherbst, schon seit Tagen folgen Sie bei eisigen Temperaturen den Mammutherden auf ihrem alljährlichen Marsch in den Süden. Von der heutigen Jagd hängt es ab, ob Ihre Familie den folgenden harten Winter überstehen wird. Im Kampf gegen die Mammuts setzen Sie auf Ihre Geheimwaffe  - eine zweieinhalb Meter lange Stoßlanze die sie dem Riesen mitten ins Herz stoßen werden. Bei Nacht werden Sie versuchen, einen der Giganten zu erlegen, um genügend Fleisch und Felle für den Winter zu haben. Doch Sie sind nicht der einzige Jäger, der heute im Lonetal nach Beute sucht. Der mächtige Höhlenlöwe steht an der Spitze der Nahrungskette und auf seinem Speiseplan steht auch der Mensch....

Vergleichbare Szenen dürften sich im Lonetal vor 30.000 Jahren abgespielt haben. Ein kaltes eiszeitliches Klima und eine nur schwach bewaldete Tundren- und Steppenlandschaft prägten damals das Erscheinungsbild des Lonetals. Große Tierherden zogen auf ihrem alljährlichen Marsch von den grasreichen Steppen im Norden in die wärmeren Alpenregionen durchs Lonetal. Und schon lange bevor der moderne Mensch auf der Bildfläche erschien, lebten Neandertaler rund um die Höhlen im Lonetal. 

Die Neandertaler

Der Fund eines Oberschenkelfragments aus dem Hohlenstein-Stadel belegt, dass sich schon vor 50.000-70.000 Jahren Menschen im Lonetal aufhielten. Der moderne Mensch - Homo Sapiens - war zu dieser Zeit noch nicht in Europa erschienen. Eine andere, besonders gut an die damaligen klimatischen Bedingungen angepasste Menschenart hatte sich zu dieser Zeit in Mitteleuropa entwickelt - die Neandertaler.

Neandertaler gab es schon vor 250.000-300.000 Jahren. Spuren dieser Menschen wurden zum ersten Mal 1856 im Neandertal bei Düsseldorf entdeckt. Ihre anthropologische Bedeutung wurde allerdings erst 10 Jahre später bekannt. Der Neandertaler war ca. 1,60 bis 1,70 Meter groß; die Männer brachten etwa 70, die Frauen 55 kg auf die Waage. Der Körperbau war daher sehr massig, untersetzt.

Neandertaler besaßen einen größeren Schädel als der heutige Mensch. Dieser beherbergte ein entsprechend größeres Gehirn (ca. 1750-1800 ccm), was jedoch nicht zwangsläufig auf höhere Intelligenz hinweist. Die Stirn war flach, auffällig waren starke Augenbrauenwülste, große Augenhöhlen und eine extrem breite Nase, die sich wohl als Anpassung an die eiszeitlichen Außentemperaturen entwickelt hatte und der Luft-Vorwärmung diente, bevor sie in die Lungen gelangte.

Wie die Funde im Lonetal belegen, waren Waffen (Speere, Messer etc.) und Feuer bei ihnen bekannt und im Einsatz. Ihre Toten wurden mit Grabbeigaben bestattet. Auch konnten sie bereits Pech als Klebstoff aus Birken herstellen konnten. Der Neandertaler fertigte in den Eiszeiten als erste Menschenart Kleidung an. Aus Untersuchungen der Isotopenverhältnisse von Knochenproteinen lässt sich schließen, dass sich die Neandertaler fast ausschließlich von Fleisch ernährt haben.

Die Funde aus der Bocksteinhöhle im Lonetal zählen zu den wichtigsten Zeugnissen der Neandertaler in Süddeutschland. Dort wurden 2900 Artefakte aus der Zeit der Neandertaler entdeckt. Neben Faustkeilen und Fäusteln waren darunter auch zahlreiche Keilmesser. Auch in der Haldensteinhöhle bei Urspring wurden fein gearbeitete Speerspitzen von Neandertalern entdeckt. Der Neandertaler war damit wohl keineswegs der primitive keulenschwingende Zeitgenosse, für den er landläufig gehalten wurde. Vielmehr dürfte er bereits über ausgefeilte Jagdtechniken und ein komplexes Sozialverhalten verfügt haben.

Auf dem Speisezettel des Neandertalers standen die meisten Tiere der Eiszeit, darunter Wildpferd und Rentier, aber auch Großsäuger wie Mammuts und Wollnashörner. Neuere Funde deuten darauf hin, dass er sich sogar auf die Jagd nach den gefährlichen Höhlenlöwen begab. Als das Klima vor 100.000 Jahren noch wärmer war als in den darauffolgenden Eiszeiten, jagten die Neandertaler auch nach den riesigen Steppenelefanten, die mit einer Schulterhöhe von 4,5 Metern deutlich größer waren, als die Mammuts. Gejagt wurde wahrscheinlich vorwiegend in der Gruppe. Vermutlich aus der Deckung heraus wurden Tierherden eingekreist und mit Jagdspeeren erlegt. Nachbauten der prähistorischen Speere deuten auf phänomenale Wurfeigenschaften dieser Waffen hin - Würfe über 60 Meter waren für die Werfer problemlos erreichbar. Mit den rasiermesserscharfen Keilspitzen wurde die Opfer anschließend aufgeschnitten und zerlegt. Herz, Lunge und die vitaminreiche Leber wurden wahrscheinlich noch beutewarm vor Ort verspeist. Als Leckerbissen galt wohl auch der halb verdaute Grasbrei im Magen pflanzenfressender Großsäuger wie dem Mammut oder dem Wollnashorn.

Vieles deutet darauf hin, dass die Neandertaler keine genetischen Vorgänger des modernen Menschen waren, sondern eine Seitenlinie des Homo Sapiens bildeten. Die Neandertaler starben vor ca. 30.000 Jahren, etwa zu der Zeit, als sich Homo Sapiens zunehmend in Europa ausbreitete, aus. Ob der moderne Mensch für das Aussterben der Neandertaler verantwortlich ist, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Sicher ist, dass die beiden Menschenarten über Jahrtausende hinweg koexistierten. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Grund für das Aussterben der Neandertaler wohl eher in seiner mangelnde Anpassungsfähigkeit zu suchen ist. Er war vermutlich nicht in der Lage, die kalten Temperaturen und die lebensfeindlichen Bedingungen der damaligen Eiszeit durch Anpassungen seiner Lebensweise zu überleben.

Ob die frühen Menschenarten wie der Neandertaler bereits kulturelle Aktivitäten entwickelten, ist in der Wissenschaft heftig umstritten, bis heute gelten jedoch die 30.000-35.000 Jahre alten Fundstücke des Lonetals, gefertigt vom Homo Sapiens, als die mit ältesten Belege kulturellen Schaffens.

"Homo sapiens lonetalensis"
- Die "da Vincis der Eiszeit"

Der moderne Menschentyp Homo Sapiens erschien vor ca. 40.000 Jahre erstmals in Mitteleuropa. Die ältesten Überreste von Homo Sapiens, die bisher gefunden wurden, stammen aus Äthiopien und sind ca. 160.000 Jahre alt. Der Fund erhärtet die Theorie, dass der moderne Mensch in Afrika entstanden ist und sich von dort über die Kontinente hinweg ausgebreitet hat. Gemäß dieser "Out-of-Africa"-Theorie begann vor etwa 100.000 Jahren die Auswanderung des Homo Sapiens nach Europa und Asien.

Die ältesten Spuren des Homo Sapiens im Lonetal werden auf ca. 35.000 Jahre datiert. Auch sie deuten darauf hin, dass die damals lebenden Menschen sich hauptsächlich von der Jagd auf die Großtierarten der Eiszeit ernährten. Eine besondere Rolle spielte dabei das Mammut. Ähnlich wie der Büffel für die Indianer war das Mammut eine bedeutender Rohstofflieferant. Die wichtigste Jagdwaffe der Menschen war dabei das Feuer. Meist wurden Mammutherden nachts mit Hilfe von Fackeln in Abgründe oder tiefe Fallen getrieben, wo sie zu Tode stürzten. Belegt werden diese Szenen aus zahlreichen Höhlenzeichnungen der Eiszeit.
Im Lonetal fehlen die steilen Klippen für diese Jagdstrategie, dennoch sind zahlreiche Spuren von erlegten Mammuts gefunden worden. Hier wurden demnach andere Jagdtaktiken eingesetzt.

Das Graben von tiefen Fallgruben, dürfte in den Permafrostböden der letzten Eiszeit sehr schwierig gewesen sein, eher schon könnten Mammuts in die zu dieser Zeit sumpfigen Böden des Lonetals getrieben worden sein, aus denen sie sich nicht mehr befreien konnten.

Noch eine weitere, gefährlichere Jagdstrategie kam vermutlich im Lonetal zum Einsatz. Da die Mammuts keine natürlichen Feinde hatten, ist es wahrscheinlich, dass sie wenig Furcht vor den Menschen besaßen. Die Jäger konnten sich den Tieren somit relativ einfach und gefahrlos nähern. Mittels eigens hierzu gefertigten Stoßlanzen konnte ein mutiger Jäger mit einem gezielten Stich ins Herz oder in die Augen das Mammut tödlich verwunden. Eine derart gefertigte, 2,4 Meter lange Stoßlanze aus Eibenholz wurde bei Bremen in einem 125.000 Jahre alten Elefantenskelett gefunden. Dies beweist, dass bereits die Neandertaler diese Jagdstrategie einsetzten. Dokumentarfilme aus den 30er Jahren zeigen, dass Pygmäen diese Strategie noch in der jüngeren Vergangenheit zum Erlegen von Waldelefanten anwendeten. Es ist anzunehmen, dass auch die Mammutjäger im Lonetal diese Waffe einsetzten.

Diese tollkühne Jagdmethode war mit Sicherheit alles andere als gefahrlos. Oftmals wurden die Tiere nur verletzt und flüchteten vor den Jägern - oder gingen zum Angriff über. Was folgte war eine lange Hetzjagd mit dem Mensch entweder als Jäger oder als Gejagtem. Wahrscheinlich waren es diese andauernden Hetzjagden, bei denen unsere Vorfahren ihr Fellkleid verloren. Über viele Generationen bildete sich so ein System von Schweißdrüsen, das die urzeitlichen Jäger vor der Überhitzung schützte.

Neben dem Fleisch des Mammuts, das als Nahrung diente, wurden die Stoßzähne auch als Grundgerüst zum Bau von Zelten genutzt. Ihre Fell wurde für Kleidung und für Zeltdächer verwendet. Knochen dienten als Waffen und Werkzeuge, die Sehnen wurden als Schnüre verwendet. Aus den Stoßzähnen wurden zudem Waffen gefertigt. Und der Jagderfolg eröffnete den damaligen Menschen eine neue zeitliche Dimension - nach erfolgreicher Jagd konnten sich unsere urzeitlichen Vorfahren für eine gewisse Zeit zurückziehen und mussten sich so nicht permanent dem Überlebenskampf stellen - die Freizeit war erfunden.

Es war wohl jene freie Zeit, die den Menschen dazu veranlasste, sich künstlerisch zu betätigen. Die im Lonetal gefundenen, über 30.000 Jahre alten, weltberühmten Schnitzereien aus Mammutelfenbein belegen, dass die frühen Menschen dabei ein hohes Maß an handwerklicher Kunst beherrschten. Der eindrucksvollste Beweis dieser Fertigkeiten ist der in der Vogelherdhöhle im Lonetal gefundenen Löwenmensch. Er zeigt nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten eindrucksvoll auf, sondern lässt auch auf ein komplexes, geistig-religiös-motiviertes Weltbild der frühen Menschen schließen.

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