Ein Tauchgang am Heldenfinger Kliff vor 20 Millionen
Jahren
Vor ca. 20 Millionen Jahren floss die Lone bei
Westerstetten, später bei Bernstadt in ein großes Meer, dessen südliche Grenze
die gerade aufgefalteten Alpen bildete. Die Küste, Geologen
bezeichnen sie als Klifflinie, ist auch heute
noch als Geländestufe deutlich zu erkennen. Sie zog sich
von Temmenhausen über Altheim weiter nach Heldenfingen, wo
heute noch die Spuren des damaligen Meeres zu erkennen
sind. Hätte es den modernen Menschen des 21. Jahrhunderts
damals schon gegeben, wären diese Orte vielleicht beliebte
Ferienregionen am Meer gewesen. Die Meere waren von
subtropischer Temperatur und sicher vergleichbar bunt
bewachsen, wie die heutigen Korallenriffe.
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Eine Vielzahl von Korallen und riesige Fischschwärme hätten
damals sicher jeden Taucher und Schnorchler begeistert -
sofern er sich ins Wasser getraut hätte. Denn schon damals gab es eine Vielzahl von Haien,
darunter auch bis zu 6 Meter lange Weiße Haie, wie sie heute
noch im Mittelmeer vorkommen. Entlang der Klifflinie
wurden zahlreiche Haizähne gefunden. Auch heute noch können
Sie an exponierten Stellen diese Spuren der frühzeitlichen
Jäger entdecken. Da Haie keine Knochenfische sind, sondern
über ein Knorpelskelett verfügen, das sich vollständig
auflöst, finden sich keine Fossilien dieser faszinierenden
Tiere, lediglich die Zähne bleiben erhalten.
Begegnung mit Megalodon
In den Meeren des Tertiärs schwamm auch ein wahrer Superräuber: Megalodon
war wohl der gefährlichsten Hai aller Zeiten. Megalodon
- wörtlich der Große Zahn - hatte tatsächlich bis zu 20
Zentimeter lange, dreieckförmige Zähne, die in einem über 2
Meter breiten Kiefer verankert waren. Megalodon dürfte den
heutigen Weißen Haien sehr ähnlich gesehen haben, nur war er
mehr als doppelt so groß.

Bei einer Länge von bis zu 16
Metern bestand seine Beute hauptsächlich aus Walen und
anderen im Wasser lebenden Großsäugetieren. Langsam und energiesparend
am Grund entlang patrouillierend, hielt er nach
Beute an der Wasseroberfläche Ausschau. Zeichnete sich die Silhouette
eines potentiellen Opfers an der Oberfläche ab, erfolgte der Angriff mit
einem blitzschnellen Vorstoß aus der Tiefe. Wale wurden
zunächst in die Schwanzflosse gebissen, um sie
manövrierunfähig zu machen. Danach waren sie leichte Beute
für den riesigen Hai.
Als sich das Klima zunehmend abkühlte verschwanden die
großen Haie aus den Weltmeeren. Ohne dicke Fettschicht
konnten sie ihrer bevorzugten Beute, den Walen nicht folgen,
als diese sich in die nährstoffreichen kühlen Gewässer
zurückzogen. Vielleicht war auch der Energieaufwand für
einen derart großen Räuber zu hoch, um langfristig bestehen
zu können. In der Evolution konnten sich vorwiegend die etwas
kleineren Haiarten mit einem breiteren Nahrungsspektrum
behaupten. Immer wieder gibt es jedoch auch heute noch
Berichte von möglichen Begegnungen mit Megalodon. Wahrscheinlich dürfte es sich dabei jedoch um Verwechslungen
mit großen Exemplaren des Weißen Hais bzw. Riesenhaien oder
um Wunsch- bzw. Wahnvorstellungen handeln. Vor 15-20 Millionen Jahren
jedoch, als die Uferlinie des Molassemeeres in der Gegend des heutigen Lonetals
lag, waren sie die uneingeschränkten Herrscher der Ozeane.
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