(Text: Thomas Mahr und Günther Krämer)
Tag 1
Eine Wanderung entlang der Lone ist nicht nur eine
Flussbegehung, sondern auch ein Gang zurück in die Urzeit
des Menschen. Mit seinen Höhlen
und den dort gefundenen Elfenbeinplastiken
zählt das Lonetal zu den Geburtsstätten
der bildenden Kunst.
"Von allen württembergischen Flüssen ist wohl die
Lone der interessanteste", stellte der Altmeister der
südwestdeutschen Geologie, der Tübinger Professor Georg
Wagner fest. Nicht nur, dass die Lone älter als die Donau
ist, ihre Geschichte ist auch weitgehend entschleiert. Fils
und Neckar haben der Lone das Wasser abgegraben, so dass
sich heute ihr Quelltopf nicht am Talanfang, sondern im viel
zu großen Tal der Urlone befindet.

562 m über dem Meer
liegt der Lonetopf mitten im Lonseer Ortsteil Urspring. Nach
dem idyllischen, türkisblauen Beginn verhindern Zäune und
Mauern leider gleich zu Anfang den Kontakt zum Bach. Doch
gleich nach dem Ortsende kommen wir gut an den Bach und
freuen uns über eine vielseitige und fast
landschaftsgerechte Bepflanzung. Was Wunder, dass hier eine
Wasseramsel knapp über der Wasseroberfläche vorbeifliegt.
Schon nach 2 Kilometern kommt Lonsee, dessen drei Mühlen
früher das Lonewasser nutzten. Heute mahlt nur noch die
Obere Mühle Getreide, allerdings mit elektrischem Strom. Im
Zuge des oben erwähnten Loneausbaus wurde dem Müller das
Wasserrecht abgekauft und die Mühle trocken gelegt. Eine
mächtige alte Weide und eine Pappelreihe zeigen heute noch
den Verlauf des alten Mühlbachs.
Mit dem Argument der Hochwassergefahr wurde fast der
komplette Bach aus dem Ort verbannt und trifft erst bei der
Mittleren Mühle beim Rathaus auf das alte Bett. Die alte
Steinbogenbrücke wurde jedoch bei den Baumaßnahmen
erhalten. Als Ausgleich für die Bachregulierung und zur
landschaftlichen Bereicherung des Lonetals wurde zwischen
Lonsee und Halzhausen ein künstlicher See geschaffen, der
Lonesee. Hier findet sich ein Spielplatz und Möglichkeiten
der Erholung und Entspannung. Durch übermäßige Fütterung
der Enten und Schwäne kippt der See allerdings im Sommer
des öfteren um.
Rasch erreichen wir
Halzhausen: Vesperpause im luxuriös
gebauten Buswartehäuschen. Der Ablauf der Halzhauser
Kläranlage ist der "wasserreichste Lonezufluss".
Und gerade hier beginnt das Reich des Bibers. Gefällte
Bäume von erstaunlichem Durchmesser und entrindete Äste
sind deutliche Spuren. Eine Biberburg im Wasser können wir
nicht finden, höchstwahrscheinlich benützt der Biber einen
verlassenen Bisambau. Kurz vor Westerstetten nach der
idyllischen Taublindermühle zwingt uns der stark befahrene
Bahndamm auf einen Umweg abseits der Lone.
In Westerstetten
selbst kommen wir gut am Bachlauf
entlang, da das Neubaugebiet mit gehörigem Respekt Abstand
hält. Der Weg vor und nach dem Rathaus ist aber nur
wagemutigen Bachwanderern zu empfehlen. Am Ortsende fließt
die Lone kanalähnlich. Hier beginnt der Teil des Lonetals,
den viele Sonntagsausflügler als malerisch empfinden, der
Bach selbst aber ist durch Begradigungsmaßnahmen zu einem
schnell abfließenden Gewässer geworden, der wenig
Möglichkeiten der ökologischen Entfaltung bietet. Diese
Maßnahmen wurden in den 60er und 70er Jahren im Interesse
der modernen Landwirtschaft durchgeführt, um den
Grundwasserspiegel zu senken und die Wiesen zu entwässern.
Doch heute hat sich die Einschätzung der Fachleute
geändert, und mit Maßnahmen der Gewässerentwicklung
sollen die ökologisch nachteiligen Auswirkungen gemildert
werden.
Unterhalb von
Breitingen passieren wir die
Schönrainmühle, die letzte erhaltene, doch heute
stillgelegte Lonemühle, die schon früher bei Wassermangel
einen Pferdegöpel als Hilfsantrieb nutzte. Am Häldelesfels
versickert die Lone in trockenen Jahren. Der kanalähnlich
begradigte Teil der Lone endet an der Holzkircher Brücke,
vorbei am Hubertusfels und am Mehlsack ist dieser Teil des
Lonetals landschaftlich besonders reizvoll. An diesen
Bachabschnitt hat sich dank der vorhandenen Ufergehölze
wieder ein Biber als Lebensraum ausgesucht, was die
Nagespuren eindeutig beweisen. Gut, dass sich dieses Tier
seinen angestammten Lebensraum zurückerobert hat und der
Schaden für die Landwirtschaft sich in Grenzen hält!
Ab hier fließt die Lone sehr hoch am Rand der Talaue,
weil sie früher die Wiesen bewässern sollte; heute
verhindert dies ein Damm. Welcher Bachwanderer kann schon am
Fohlenhaus vorbeigehen ohne an dieser malerischen Höhle
Rast zu machen? Bald kündigen die mächtigen Pfeiler der
Autobahnbrücke nach 24 km das Ende des ersten Wandertages
an.
Tag 2
Der erste Abschnitt des zweiten Wandertages führt uns
entlang der Lone über die Gemarkung Nerenstetten in
Richtung Bocksteinhöhle, Kurz vor der Höhle sehen wir, wie
durch Renaturierungsmaßnahmen der natürliche Lauf der Lone
wiederhergestellt wird.
Der Abstecher zur
Bocksteinhöhle ist ein weitere
Highlight unserer Lonetalwanderung. Hier wurden über 50.000
Jahre alte Werkzeuge von Neandertalern gefunden. Ein Teil
der Höhlendecke ist unlängst eingestürzt, unter den
Trümmern entdecken wir ein quicklebendiges Hermelin im
weißen Winterkleid. Im Sumpfgebiet unterhalb des Bocksteins
bleibt uns nichts anderes übrig, als die Lone
halsbrecherisch auf einem Baumstamm zu überqueren. Hier
mäandriert die Lone ungehindert, und schon findet der
Eisvogel am Prallhang einen Platz zum Bau einer Bruthöhle.
Am Hohlenstein
führt kein Weg vorbei. In einer dieser
Höhlen wurde der berühmte Löwenmensch
aus Elfenbein gefunden. Das ganz in der Nähe liegende Lindenau mit seinem
Ausflugslokal lockt. Zur Mittagszeit wird der Wanderer
gastlich empfangen. Hier findet man immer einen
Gesprächspartner. In unserem Fall war es sogar der
Förster, der die Entdeckung des Eisvogels bestätigte.
Gesäumt von Felsen wechseln enge und weitläufige
Talabschnitte ab. Weiche Zementmergel räumte die Lone im
Laufe der Jahrtausende aus, während die harten Massenkalke
dem Wasser widerstanden.
Auch die
Vogelherdhöhle
lädt ein
zu einer Rast. Noch heute erkennt man an dieser freien nach
Süden offenen Lage, dass sich die Menschen der Steinzeit
dort gerne niedergelassen haben.
Schöne naturnahe Eichenwälder, malerische Felsen und
Heideflächen am Rand des Tals. Das inmitten von Wiesen und
Wald anmutig gelegene Lontal ist seit Breitingen wieder das
erste Dorf im Tal. Verschüttet von der Straßenböschung
speisen hier Karsthangquellen die Lone mit frischen Wasser.
Der Blick in die Gärten, dazu die Weidenwildnis am Ufer
verleiten zur Ansicht, die Zeit sei hier stehen geblieben.
Bald taucht die Kaltenburg auf, welche auf die Mündung
der Lone in die Hürbe blickt. Es soll ein Geografenstreit
bleiben, ob denn nicht die Hürbe in die Lone fließt. Wir
gehen dieser Frage aus dem Weg, indem wir dem Bachlauf
weiter bis zur Mündung in die Brenz folgen. Doch zunächst
gilt es den Zusammenfluss von Lone und Hürbe zu bewundern,
den eine uralte Weide bewacht. Trotz der Straßenbrücke
sind die letzten Meter Lone Urwaldgenuss pur.
Anmerkungen:
Wanderungen am Fluss entlang werden am besten im
Winterhalbjahr durchgeführt. Zum einen werden die Vögel
nicht beim Brüten gestört, zum andern kommt man einfach
besser voran, da im Sommer die Ufer meterhoch mit
Brennnesseln bewachsen sein können. Der aufmerksame
Beobachter kann viele Vogelarten entdecken:
Wintergoldhähnchen, Zaunkönig, Eisvogel, Graureiher,
Wasseramsel, Buntspecht, Schwarzspecht, Stockente,
Kolbenente, Blässhuhn, Höckerschwan, um nur eine wenige zu
nennen. Unerlässlich ist die Benützung einer exakten Karte
(neueste Ausgabe), am besten die amtliche Topographische
Karte 1: 25 000, Blätter 7425 Lonsee, 7426 Langenau, 7427
Sontheim an der Brenz.
|