| (Text: Günther Krämer, Thomas Mahr)
Das Hungerbrunnental, ruhig und
malerisch gelegen, war schon immer einen Ausflug wert.
Welcher kleine Bach hat denn schon an der Quelle mehr Wasser
zu bieten als im Mündungsbereich? Und welcher Bach darf
sich sein Bett selber suchen und über Feldwege fließen, so
als bräuchte er auf nichts Rücksicht zu nehmen? Oder wurde
das sonst trockene Bachbett als Weg benutzt?
Wie die Lone, die Nau oder die Hürbe beginnt der
Hungerbrunnen als Karstquelle. Doch im Gegensatz zu den
anderen Bächen, die heute praktisch immer Wasser führen,
schüttet der Hungerbrunnen nur in besonders feuchten Jahren
Wasser. Wegen dieses Naturphänomens war sein Quelltopf
zwischen Altheim und
Heuchlingen schon immer ein Kultplatz. Sein Wasser hat in
der Geschichte auf besonders feuchte Jahre hingewiesen, die
Missernten zur Folge hatten. Mit Hungersnöten zogen oft
Krankheiten und Kriege übers Land. So wurde die
Wasserführung des Hungerbrunnens in der Vergangenheit oft
als Menetekel für drohende schlechte Zeiten angesehen.
Wenn man bei der Wanderung zwischen der ehemaligen
Bundesstraße 19 und der Setzinger Kläranlage beginnt,
stößt man auf die Mündung des Hungerbrunnens in die Lone
und ist erstaunt: kein Wasser. Trockenen Fußes kann man
noch durch die "Röhre" unter der Straße dem
Bachlauf folgen. Doch schon hundert Meter weiter sieht man
trotz des üppigen Uferbewuchses ein schmales Rinnsal. Hier
versickert das Wasser in den Klüften des Kalksteins. Doch
nur ganz selten führt der Hungerbrunnen auf solch einer
langen Strecke Wasser. An der Ufervegetation lässt sich
ebenfalls die Wasserführung erkennen. Beginnt die Wanderung
zunächst eher mit die Trockenheit bevorzugenden Pflanzen,
wechselt das Bild recht schnell zu Rohrglanzgras und anderen
Feuchtpflanzen.
Bald schon fließt das Wasser reichlich, das man trotz
der schönen, naturnahen Uferbepflanzung den Bach deutlich
erkennt. Noch auf der Gemarkung Setzingen wird die Talaue
auf beiden Seiten von Wald begrenzt und der Hungerbrunnen
sucht sich seinen Weg, in dem er mal über, manches Mal
sogar auf dem Feldweg verläuft. Wer dem Bach folgt geht am
Ufer entlang um keine nassen Füße zu bekommen. Jäh wird
die Idylle von Lärm gestört. Nach einer Bachkehre sieht
man den Verursacher. Die mächtige Autobahnbrücke quert das
Tal.
Rasch weiter auf Hausener Gemarkung. Auch hier merkt
man, dass der Hungerbrunnen ungewöhnlich viel Wasser
führt. Breit bahnt er sich an manchen Stellen seinen Weg,
dort wo er sein Bett verlassen hat. Dann stößt der
Wanderer auf einen Weg, wo der Hungerbrunnen das Weitergehen
ohne nasse Füße zu bekommen, verhindert. Doch versteckt im
Gebüsch hilft ein alter Steg weiter, und die Schuhe bleiben
trocken. Weiter geht die Wanderung bachaufwärts am Waldrand
entlang.
An der Grenze zur Gemarkung Heuchlingen
verschwindet der Hungerbrunnen im Wald. Die Mitglieder des
Schwäbischen Albvereins Dettingen haben dort einen schmalen
Pfad angelegt, so dass es dem Wanderer möglich ist, entlang
des idyllischen Waldbaches zu gehen. Bis zur Quelle ist der
Verlauf anschließend. Der Bach wird jetzt jedoch von
lichten Kiefernwäldern und der Wachholderheide begleitet.
Vor dem Wanderparkplatz an der Straße von Heuchlingen nach
Altheim wird der Hungerbrunnen noch einmal von dem Zufluss
einer Kläranlage gespeist. Bald darauf ist der Quelltopf
erreicht, der uns für die letzten Kilometer entschädigt.
Es perlt und sprudelt in der Karstquellle, einem
sehenswerten Naturdenkmal, das unter Naturschutz steht.
Es
verwundert deshalb nicht, dass der Hungerbrunnen als
germanischer Thingplatz und als Freistätte die Menschen
schon immer angezogen hat. Von dieser Tradition her rührt
noch der alljährlich am Palmsonntag stattfindende
Brezgenmarkt, der auf eine lange Geschichte zurückblicken
kann.
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