Die Männer der ersten Stunde
Drei beherzte Hürbener Männer waren es, die sich in den
Kopf gesetzt hatten, dem Geheimnis des
"Hundsloches", einem tiefen Felsspalt an der
Krauthalde nahe der Burgruine Kaltenburg, auf die Spur zu
kommen. Alle drei waren sie gelernte Zimmerleute, betreiben
eine kleine Landwirtschaft und betätigen sich im Winter als
Waldarbeiter. Da sie auch der Feuerwehr angehörten,
brachten sie die besten Voraussetzungen für dieses
abenteuerliche Unternehmen mit.
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v.l.:
Friedrich Strauß
Jakob Beutler,
Kaspar Schlumpberger |
Friedrich Strauß, Vater des nachmaligen
"Höhlenwirtes", war damals 31 Jahre alt. Sein
gesunder Humor war allseits bekannt und geschätzt. Er
bediente nach Erschließung der Höhle längere Zeit die
dortige Beleuchtungsanlage. Als Zimmermeister war er später
bei der Spielwarenfabrik Steiff in Giengen tätig.
Kaspar Schlumpberger, mit 26 Jahren der jüngste des
damaligen Dreiergespanns. Auch er war einige Zeit als
Maschinist am Beleuchtungsaggregat der Höhle tätig und
wurde später beim Elektrizitätswerk der "MÜAG"
in Giengen angestellt. Mit seinen
"Münchhausiaden" konnte er viel Fröhlichkeit in
geselliger Runde bringen. Im Mai 1894 wurde er von der
Gemeinde neben Johann Schlumpberger und Johann Georg
Eberhardt zum Höhlenführer bestellt.
Jakob Beutler endlich, im Entdeckungsjahr schon
36jährig, betätigte sich neben seinem Zimmereibetrieb auch
als Feuerwehrkommandant in Hürben und wurde schließlich
Schultheiß des Ortes. Zur Zeit des ersten Einstiegs
gehörte er dem Gemeinderat an.
Er war der erste Höhlenführer und –kassierer und
durfte bei der Einweihungsfeier am 17. September 1893 aus
der Hand von Oberamtmann Filser, dem Vorsitzenden des
Höhlenkomitees, die Schlüssel der Höhle entgegennehmen.
Beutler wird als verständiger, fleißiger und
gewissenhafter Mann geschildert, dem "Hürben viel
Gutes und Nützliches zu verdanken" hat. Beim
50jährigen Jubiläum, das wegen der Kriegsereignisse 1943
in aller Schlichtheit begangen wurde, ließ es sich der
86jährige Jakob Beutler nicht nehmen, mit der
Festgesellschaft den ganzen Weg durch die Höhle mitzugehen
und von seinen Erinnerungen an die ereignisvollen Tagen der
Entdeckung zu erzählen. Sehr lebendig schilderte er, wie
die Entdeckung beim Blick in die erste große Halle eine
belebend weiße Gestalt sahen, den riesigen Tropfstein, der
später den Namen "Berggeist" erhielt.
Ein wichtiger Mann bei der Entdeckungsgeschichte der
Charlottenhöhle war der damalige Oberförster Hermann
Sihler aus Giengen. Angeregt durch die Berichte über die
Forschungen des Schwäbischen Höhlenvereins und die
Ausgrabungen in den Lonetal-Hürben, untersuchte er die
Umgebung seines Dienstortes. Er hatte im Jahre 1892 nach
planmäßiger Forschung die Irpfelhöhle bei Giengen
wiederentdeckt und ausgegraben, wobei Funde von Menschen und
Tiere aus der Eiszeit zutage traten. Er war dabei einer
Erwähnung der Irpfelhöhle in einer Notiz von Ladislaus
Suntheim von Ravensburg aus dem Jahre 1500 nachgegangen.
Die Untersuchung der Ausgrabungen wurde damals von Dr.
Eberhard Fraas vom Naturalienkabinett in Stuttgart
vorgenommen, der damals in Lonetal tätig war. Sihler
beabsichtigte auch, das "Hundsloch" im Hürbener
Gemeindewald näher zu erforschen. Ein erster Versuch im
Frühjahr 1893, in den drei Meter breiten Felsspalt
einzudringen, mißlang jedoch, weil mit den
herbeigeschafften hölzernen Leitern nicht bis auf den Grund
zu kommen war. Bei dieser Aktion halfen Forstwart Gaiser und
ein Tagelöhner aus Hürben.
Durch Oberförster Sihler waren die drei Hürbener "Höhlenschmecker"
angeregt, den Einstieg auf ihre Art zu wagen.
Die Verdienste des Forstmannes um die Erforschung der
Hürbener Höhle anerkannten die Hürbener dadurch, dass sie
der ersten großen Ausweitung der Höhle die Bezeichnung
"Sihlerhalle" beilegten. Im Jahre 1931 lebte
Sihler noch als Pensionär in der Nähe von Biberach.
Durch Gemeinderatsbeschluss vom 6. August 1896 wurde
Schuhmacher Frank als Höhlenführer und stellvertretender
Maschinist für die Beleuchtungsanlage eingesetzt. Er versah
dieses Amt mit großem Eifer 40 Jahre lang. Auch bei der
Rundfunkübertragung 1931 übernahm er die Führung in der
Höhle und stellte sich vor mit den Worten: "I han scho
allerlei Leut´ in d´Höhle g´führt, ond no älle hat´s
g´falla."
Bei der 50-Jahrfeier, wo seiner der damalige
Bürgermeister Pantleon gedachte, war er bereits verstorben.
Erster Einstieg ins "Hundsloch"
In den Jahren 1892 und 1893 waren in unserem Raum
verschiedene neue Höhlen entdeckt und erforscht worden, so
die Irpfelhöhle bei Giengen durch Oberförster Sihler,
unweit davon die Höllhöhle, bald darauf eine Höhle bei
Heuchstetten mit zierlichen Tropfsteingebilden, und
schließlich die Herwarthöhle bei Königsbronn. Es lag
nahe, dass man auch in Hürben daran dachte, es anderen
"Höhlenschmeckern" gleichzutun. So nannte man
scherzhaft jene Entdecker.
Drei unternehmungslustigen Zimmerleuten war es
vorbehalten, dem geheimnisumwitterten "Hundsloch"
im Gemeindewald an der Krauthalde auf den Grund zu kommen,
bei dem es nicht ganz geheuer sein sollte.
Am 7. Mai 1893, einem Sonntag, machten sich in aller
Morgenfrühe die drei wagemutigen Zimmerleute aus Hürben
auf, das Geheimnis um das Hundsloch zu lüften. Sie führten
eine Strickleiter mit sich, die sie eigens für diesen Zweck
angefertigt hatten. Gegenüber den Dorfbewohnern hatten sie
zunächst größte Heimlichkeit bewahrt.
Friedrich Strauß war der erste, der sich an der
Strickleiter in das trichterförmige dunkle Loch hinab
tastete. Als Beleuchtung diente dürftiges Kerzenlicht. Wie
Strauß nachher erzählte, reichte die Leiter nicht soweit,
dass er fester Fuß fassen konnte. Deshalb ließ er sich
fallen und landete auf einem Berg von Knochen.
Nun konnte er seine glückliche Landung nach oben melden,
und Jakob Beutler wie auch Kaspar Schlumpberger folgten
nach. Unten angekommen, mussten sie jedoch feststellen, dass
ihnen der aufgetürmte Knochenberg den weiteren Zugang zur
Höhle versperrte, die sie nur andeutungsweise erkennen
konnten.
Zufrieden damit, dass ihnen der erste Abstieg gelungen
war, setzten sie sich mit Oberförster Sihler in Verbindung
und vereinbarten mit ihm einen gemeinsamen Einstieg zur
weiteren Erforschung des Höhleninneren.
Zwei Tage später, am 9. Mai erfolgte nun der zweite
Abstieg im Beisein des höhlenkundigen Oberförsters, wobei
Forstwart Gaiser von oben zu sichern hatte. Weil die
Forscher nicht wissen konnten, was sie unter Tage bei
spärlichem Kerzenlicht erwartete, führten sie sich
gegenseitig an einem Strick. Zunächst musste in mühsamer
Arbeit der Knochenberg beiseite geschafft werden. Erst dann
konnte in die Höhle vorgedrungen werden.
Das erste, was ihnen im vordersten Gewölbe – jetzt
Sihlerhalle genannt – in die Augen fiel, war eine blendend
weiße Gestalt, ein großer, etwa zwei Meter hoher
Bodentropfstein. "Das ist der Berggeist!" wußte
Jakob Beutler, der die Seilschaft anführte, ob des
gespensterhaften Anblicks sogleich festzustellen. Er
erinnerte sich daran, dass man ihm in seiner Kindheit
erzählt hatte, beim Hundsloch sei es nicht geheuer. Unten
im Loch befinde sich ein Geist in der Gestalt eines weißen
Mannes. Was die Entdecker weiter an unterirdischen
Herrlichkeiten vorfanden, das hätte keiner von ihnen vorher
je zu träumen gewagt.
Wahrhaftig wie in einem Feenpalast mögen sie sich
vorgekommen sein, als sie sich von einem Höhlengewölbe ins
andere vortasteten und die verschiedenartigsten Ansammlungen
phantastischer Tropfsteingebilde vorfanden. Kein Wunder,
dass sie volle zwei Stunden im Berginneren verweilten,
sodass dem außen wartenden Forstwart Gaiser immer banger
zumute wurde. Doch endlich waren die Stimmen der Männer aus
der Tiefe zu vernehmen, und einer nach dem anderen kletterte
unversehrt ans Tageslicht.
Etwa 160 Meter, bis zur Engstelle an der heute als
"Schatzkammer" bezeichneten Halle, waren sie
vorgedrungen. Sie wußten, dass sie noch nicht das Ende der
Höhle erreicht hatten, mussten jedoch den Rückweg
antreten, nachdem ihre "Kerzen recht klein
geworden" waren, wie sich Friedrich Strauß später
einem Reporter gegenüber ausdrückte.
Forstmeister Sihler hatte schon bei diesem ersten Begang
nach Spuren von vorgeschichtlichen Tieren und insbesondere
nach Zeichnungen von Menschen gesucht. Zunächst waren es
jedoch Überreste von Pferden und Rindern, welche vom
Knochenberg mitgebracht und im Gasthaus "Rösle"
zur allgemeinen Besichtigung ausgestellt wurden. Vermutlich
in Seuchenzeiten sind früher verendete Tiere in jenes Loch
geworfen worden.
Bereits am 10. und 13. Mai 1893 erschienen erste
Kurzberichte im "Brenztal-Boten" über den
Einstieg in die Höhle.
Am 15. Mai 1893 veröffentlichte dieselbe Zeitung
folgenden Bericht über eine weitere Begehung:
"Unter Mithilfe der Hürbener Feuerwehr wurde
gestern früh die Höhle einer genauen Besichtigung
unterzogen. Es ergab sich hierbei das überraschende
Resultat, dass die Höhle eine Länge von ca. 500 Meter
haben dürfte (also den Hohlenstein an Ausdehnung
übertrifft) und dass sich dieselbe in westlicher Richtung
unter dem Staatswald Wasserhau gegen Reuendorf hinzieht, mit
der Kaltenburg demnach nicht in Verbindung steht. Die Höhle
besteht zum Teil aus sehr geräumigen Hallen mit prächtigen
Tropfsteingebilden und kann mit Ausnahmen einer kurzen
Strecke in aufrechter Haltung begangen werden. Außer den in
Nr. 55 erwähnten Pferdeknochen wurden gestern Überfeste
des Höhlenbären, der Höhlenhyäne und anderer Raubtiere
gefunden. Die Höhle dürfte bei fortgesetzter energischer
Arbeit eine schöne Ausbeute zu Tage fördern. Unaufgeklärt
ist noch, auf welche Art und Weise seiner Zeit die Pferde,
von denen Überreste gefunden wurden, sich in die Höhle
verirrt haben.
Ein passierbarer Zugang zur Höhle ist leider noch nicht
vorhanden, bis jetzt ist der Zutritt zu derselben nur
mittels Strickleiter möglich, auf welcher erst eine Strecke
von 16 Metern in die Tiefe zurückgelegt werden muss. Eine
große Gesellschaft von Giengen war gestern früh zur
Besichtigung der Höhle in Hürben eingetroffen."
Die Entdeckung wird Gemeindesache
Am 16. Mai 1893 befaßte sich Hürbens Gemeinderat mit
der Entdeckung. Das "Eindringen" in die Höhle
wurde bis auf weiteres "bei Strafe verboten".
Nachdem bereits "Entwendungen" aus der Höhle
vorgenommen waren, wurde auch denen, die mit Erlaubnis
einsteigen durften, untersagt, irgend etwas zu entnehmen.
Offenbar hatte Sihler einen Bärenschädel zutage
gefördert, der später im Naturalienkabinett in Stuttgart
zu sehen war.
In seiner Sitzung am 21. Mai beriet der Gemeinderat
bereits über die Möglichkeit einer Beleuchtung der Höhle.
Anwesend war hierbei auch Oberamtsvorstand Filser aus
Heidenheim, von dem die Gemeinde tatkräftige Unterstützung
erfahren durfte. Er wird als "kluge und liebenswürdige
Persönlichkeit" sowie als "genialer und
weitsichtig denkender Mann" geschildert, der sich neben
dem damaligen Schultheiß Kost der sensationellen Entdeckung
mit großem Eifer annahm und später den Vorsitz im
Höhlenkomitee führte.
Auf Gemeindekosten wurde nun die Höhle in ihrer ganzen
Länge von 532 Metern erforscht und begehbar gemacht. Ein
bequemer Eingang musste gefunden werden. Von innen her
wurden angeschwemmte Schuttmassen entfernt und der Ausfluß
des einstigen Höhlenbaches freigelegt. Damit war ein Zugang
zu ebener Erde geschaffen.
Am 17. Juni kam Professor Dr. Fraas aus Stuttgart mit
einer Gruppe von Sachverständigen, welche wissenschaftliche
Untersuchungen anstellten. Jener bekannte Wissenschaftler,
der ein Jahr zuvor auch die Irpfelhöhle untersucht hatte,
war gerade von einer Forschungsreise aus Afrika
zurückgekehrt. In Decken gehüllt soll er die Grabarbeiten
unter Tage geleitet haben.
Erste Beschreibung der Charlottenhöhle
Aus dem "Grenzboten", dem "Amts- und
Intelligenzblatt für den Oberamtsbezirk Heidenheim"
vom 2. Juli 1893 ist u.a. folgendes zu entnehmen:
"Mitte Juni wurde diese Höhle von Dr. E. Fraas und
mehreren anderen Herren in eingehender Weise untersucht...,
wobei sich ergab, dass diese Höhle..., an Ausdehnung und
Schönheit der Tropfsteingebilde alle bis jetzt bekannten
Höhlen Württembergs übertrifft und wohl in kurzer Zeit
eine der besuchtesten Naturschönheiten der Gegend bilden
dürfte..." "Es hat doch auch seinen besonderen
Reiz, die von Menschenhand noch unberührten und von keinem
Rauch der Fackeln geschwärzten herrlichen Gebilde der Natur
tief im Inneren der Erde zu schauen, und unvergeßlich wird
gewiß jedem der ersten Besucher die Pracht und Freiheit der
Tropfsteingebilde und der geheimnisvolle Schauer und die
Überraschung beim Betreten jeder neuen Halle in der noch
jungfräulichen Höhle sein..." "Wir dringen auf
dem meist ebenen und fast immer trockenen Weg vor und
gelangen an das hintere Ende der Höhle, wo die
kulissenartig von der Decke herabhängenden Stalagtiten in
Verbindung mit den gleich Riesenspargeln aus dem Boden
aufsteigenden Stalagmiten einen prächtigen Anblick
gewähren.
Doch wie ließe sich all das Schöne und Interessante mit
Worten schildern, dem wir mit jedem weiteren Schritt
begegnen. Bald sind es förmliche Teppiche mit Spitzen, die
von den Wänden herabhängen, bald sind es mächtige Säulen
und Portale aus honiggelbem, durchscheinendem Kalkspat, bald
zierliche, glashelle Röhren, die wir bewundern und die
unsere Phantasie zu den kühnsten Vergleichen anregen. Ein
scheinbar nicht enden wollendes Labyrinth von schmalen, aber
hohen Spalten und Klüften, unterbrochen von weiten Halle,
läßt uns immer weiter vordringen, und immer wieder nehmen
uns neue Naturgebilde in Anspruch... . Freudig erstaunt ist
man bei der langen Wanderung sowohl über die Trockenheit
des Bodens, als über die gute Luft in der Höhle..."
"Eine neue Naturschönheit ersten Ranges ist auf
unserer Alb erschlossen und gewiß wird kein Besucher den
Gang durch diese prächtige Höhle bereuen."
Erschließung der Höhle
Professor Fraas berichtet am 17. Juni 1893 vor
versammeltem Gemeinderat und Bürgerausschuss über die
Ergebnisse seiner ersten Untersuchungen. Die Höhle zähle
zu den schönsten Naturschönheiten unseres Landes, urteilte
er und zog den Schluss, dass sich eine weitere Erschließung
"im höchsten Grade lohnen dürfte". Der damalige
Schultheiß ließ es sich daraufhin nicht nehmen, die Chance
für die Gemeinde zu nützen und alles Erforderliche in die
Wege zu leiten. Höhlenführer wurden bestellt und
Eintrittspreise festgelegt. Notwendige Anweisungen wurden
erlassen und der Zugang zur Höhle hergerichtet. Auch wurde
ein "Höhlenkomitee" gebildet, das sich aus
folgenden Personen zusammensetzte:
Oberamtmann Filser als Vorsitzender
Schultheiß Kost als dessen Stellvertreter
Prof. Dr. E. Fraas als wissenschaftlicher Berater
die Gemeinderäte Beutler, Büchele und Schanzel sowie
Oberförster Sihler als Vertrauensmänner.
Man machte sich Gedanken über einen werbewirksamen Namen
dieses großartigen Naturwunders, wie dies andernorts
ebenfalls schon gesehen war.
Was lag näher, als die jugendliche Landesmutter,
Königin Charlotte, Gemahlin des letzten württembergischen
Königs Wilhelm II., in einem wohldurchdachten Schreiben um
die Gnade zu bitten, der schönen Höhle "Allerhöchst
ihren durchlauchtigsten Namen zu verleihen". Das
Fürstenpaar wurde untertänigst zur Besichtigung
eingeladen. Später beschloss man noch, eine elektrische
Beleuchtung in der Höhle zu instalieren.
Es war ein logischer Entschluss, eine Wirtschaft in der
Nähe der Höhle zu errichten. Zu diesem Zweck wurde
Hirschwirt Föll aus Herbrechtingen und Barbara Kost,
Schultheißenehefrau aus Hürben, ein Grundstück an der
Krauthalde verpachtet, nicht zur Freude der Hürbener
Gastwirte, die dagegen schriftliche Beschwerde einlegten,
jedoch ohne Erfolg. Innerhalb weniger Wochen entstand
entlang der Straße unterhalb der Höhle nach Plänen von
Oberamtsbaumeister Ziegler an 32 Meter langer Holzbau mit
zwei geräumigen Sälen und entsprechenden Kellerräumen.
Auch eine Hütte zur Einstellung von acht Pferden wurde
errichtet. Frau Barbara Kost übernahm die Führung der
Wirtschaft, welche schon am Sonntag, 13. August eröffnet
werden konnte.
Am 1. September war im Giengener "Brenztal-Boten"
u.a. zu lesen:
"Die Charlottenhöhle bei Hürben wird sehr gut
besucht; sonntags treffen dort aus nah und fern 500, 600, ja
bis zu 1000 Gästen teils zu Fuß, teils zu Wagen ein.
Gegenwärtig wird ein Daimler´scher Motor "behufs
elektrischer Beleuchtung der Höhle" aufgestellt."
Die Einweihung der Höhle
Nach all den mühsamen Vorbereitungen standen nun der
näheren und weiteren Umgebung festliche Tage in Hürben
bevor.
Am 17. September 1893 endlich konnte die feierliche
Eröffnung der Hürbener Höhle vorgenommen werden.
Mit Pferdekutschen und Leiterwagen kamen Schaulustige
angefahren. "Seit der Kriegerfahnenweihe vor wenigen
Monaten (am 11. Juni 1893) hat der Ort nicht mehr so viele
Leute beisammen gesehen", hieß es im Bericht des
Grenzboten, und der Verfasser dieses Artikels erinnert an
den Ausruf eines verwunderten Bäuerleins, der diesem an der
Kriegerfeier entfahren war: "Ach Gottele, gibt´s au so
viel Menscha!".
Obwohl der Himmel kein freundliches Gesicht zeigte,
wurden die Feierlichkeiten ganz nach dem ausgearbeiteten
Programm abgewickelt. Unter den Klängen der Stadtkapelle
Heidenheim bewegte sich der Festzug durch den mit Fahnen
gezierten Ort der Höhlenwirtschaft zu. Hier konnte man alle
Abteilungen der Feuerwehr, die Schulkinder mit ihren
Lehrern, Kutschen mit den Ehrengästen sowie den Vertretern
des Bezirks und der Gemeinden sehen, gefolgt von den
örtlichen Kollegien und der Bürgschaft. Besonders gefielen
dabei die kleidsamen Trachten der Hürbener Mädchen.
Schultheiß Kost hielt die Begrüßungsrede, in welcher er
besonders Professor Fraas für die wissenschaftliche
Erforschung der Höhle dankte. Die eigentliche Festrede war
Oberamtmann Filser, dem Vorsitzenden des Höhlenkomitees
vorbehalten. Er brachte zum Ausdruck, dass dieses
großartige Wunder der unterirdischen Schönheit Leben und
auch Verdienst in den stillen Ort bringe.
Abschließend brachte er ein "begeistert
aufgenommenes Hoch" auf seine Majestät aus. Die
Schlüssel der Höhle übergab er an den ersten
Höhlenführer Beutler.
Trotz des strömenden Regens ergriff auch Dr. Fraas
selbst das Wort. Er überbrachte den Festbesuchern einen
Gruß des Schwäbischen Albvereins und bekundete, dass die
Naturschönheiten der Alb noch mehr erschlossen werden
sollten. Mit einem Hoch auf das Schwabenland schloss er
seine Rede.
Daraufhin wurde die Höhle zum allgemeinen Besuch
freigegeben, und jedermann war bestrebt, ein schützendes
Dach zu finden, sodass auch die geräumige Wirtschaft bald
überfüllt war.
(von Max Hummel)
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