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Die Zeitungen berichten von herzlichen Begrüßungen bei
jedem Halt mit Liedern und eigens verfaßten Gedichten.
Stets wird das äußerst liebenswerte Wesen der Königin
hervorgehoben, die für alle "huldvolle Worte"
fand.
Empfang der Königin in Hürben
Nachmittags gegen 15:15 Uhr traf unter Glockengeläute
der Hofwagen mit viel Begleitung in Hürben ein. Am
Ortseingang war eine Ehrenpforte errichtet. Der ganze Ort
war bekränzt und mit Fahnen geschmückt. Alle Hürbener und
viele Schaulustige aus der Umgebung waren auf den Beinen, um
Ihre Majestät zu begrüßen. Außer dem Gefolge der
Königin waren alle Bezirks- und Gemeindebeamten sowie die
Geistlichkeit erschienen. Zu den Ehrengästen zählten
Oberamtmann Filser, Professor Dr. Fraas, Oberförster Sihler
und Paul Reisser, der Erbauer der elektrischen Beleuchtung.
Der Hürbener Veteranen- und Kriegsverein und die
Schulkinder bildeten Spalier. 16 Mädchen in Hürbener/Brenztäler
Tracht und natürlich die "Bürgerlichen
Kollegien", Gemeinderat und Bürgerausschuss, standen
bereit.
Der Höhlenaufgang und –Eingang, die Gaststätte und
die Umgebung waren von Oberamtsbaumwart Nissler zusammen mit
dem Hürbener Gärtner Biermann und vielen fleißigen
Händen aufs trefflichste dekoriert und mit Fahnen
geschmückt worden.
Regen drückt Feststimmung nicht
Da der Weg zur Höhle durch das schlechte Wetter
aufgeweicht war, hatte man ihn mit fast 300 Meter 1,2 Meter
breitem Rupfen belegt. Die Heidenheimer Stadtkapelle
spielte, und ein Extraaufgebot an Landjägern sorgte für
Ordnung und Sicherheit.
Pfarrverweser Brezger begrüßte den hohen Gast mit einer
kurzen, herzlichen Ansprache, welche die Königin dankend
erwiderte. Die hübschen Trachtenmädchen gefielen der
Königin besonders gut und sie richtete freundliche Worte an
einige von ihnen.
Von der Höhle beeindruckt
In der Höhle beim Berggeist sangen die Schulkinder das
Württemberger-Lied "Preisend mit viel schönen
Reden", danach übernahm Prof. Dr. Fraas die Führung.
Die Königin war sichtlich überrascht und beeindruckt von
der Schönheit dieses Naturwunders und zeigte sich erfreut,
dass dieses Kleinod ihren Namen tragen würde.
Die elektrische Beleuchtung war für diesen Tag mit
weiteren 149, teils farbige Lampen verstärkt worden, was
ebenfalls höchste Bewunderung erregte.
In der Höhlenmitte, im "Königssaal", endete
die elektrische Installation. An dieser Stelle hatte man zur
besonderen Ehre der Landesmutter ein Illuminationsbrett mit
den Buchstaben "CH" aus 69 farbigen Lampen
angebracht. Die Königin ging bei Kerzenlicht noch tiefer
ins Höhleninnere bis zur "Kristallgrotte", um die
Höhle auch bei Kerzenschein kennenzulernen.
Ein Histörchen
Eine Begebenheit am Rande wird vom Besuch der Königin
erzählt: Der Schlupf bei der Schatzkammer war damals noch
wesentlich enger als heute, und die etwas vollschlanke
Monarchin sei mit ihren bauschigen Röcken steckengeblieben.
Durch Ziehen vorne und Schieben hinten soll sie wieder
befreit worden sein!
Ein Festmahl ist bereitet
Nach einer halben Stunde verließ die Königin die Höhle
und begab sich in die neuerbaute Gaststätte, wo sie
"geruhte, einen von der Gemeinde gereichten Imbiß zu
sich zu nehmen".
An der hufeisenförmige Tafel Königin Charlottes nahmen
acht Personen Platz, darunter Oberamtmann Filser,
Oberförster Sihler und Schultheiß Kost, mit denen sie sich
in ihrer liebenswerten Art lebhaft unterhielt.
Serviert wurde Kapaun, Aufschnitt, italienischer Salat,
Schinken, Champagner, Wein und Kaffee. Dies kostete zusammen
75 DM also etwa 9,40 DM pro "Couvert", den glatten
Wochenlohn eines Arbeiters!
Die Gesamtkosten für die Einweihung der Höhle und den
Besuch der Königin dürften über 2.000 DM betragen haben!
Abschied von Hürben
Gegen 16:30 Uhr erfolgte unter begeisterten Hochrufen die
Abfahrt der Königin zunächst zur Kinderrettungsanstalt in
Herbrechtingen und wenig später zum Bahnhof, wo der
Extrazug "Ihre Majestät" mit Gefolge in die
Residenz zurückbrachte. Die Höhle hatte durch den Besuch
der Königin ihre schönste Weihe erhalten!
Württembergs letzte Königin
Nach dem Tod seiner ersten Gemahlin heiratete Prinz
Wilhelm von Württemberg im Jahre 1886 die 22jährige
Prinzessin Charlotte zu Schaumburg-Lippe. Im Oktober bestieg
er als Wilhelm II. den württembergischen Thron.
Nach dem Tode ihres Gemahls 1921 lebte Königin Charlotte
zurückgezogen im Kloster Bebenhausen.
Sie starb am 16. Juli 1946 im Alter von 82 Jahren. Ihre
letzte Ruhestätte befindet sich auf dem alten Friedhof in
Ludwigsburg an der Seite ihres Gatten und dessen erster
Gemahlin.
Zur Begrüßung Ihrer Majestät der Königin Charlotte
(Auszug aus dem Begrüßungsgedicht von Dekan Landenberger)
Im Schoße der Erde, wo nirgends ein Leid,
Da liegt vergessen, verborgen
Die Tropfsteinhöhle voll lieblicher Pracht;
Nun tagt auch ihr noch ein Morgen.
Herein tritt heute der Königin Fuß;
Sie gewähret der glänzenden Grotte
eigenen Namen; sie trägt ihn von heut´,
Den Namen der Königin Charlotte.
So möge ein höherer, himmlischer Glanz
Ihr Wirken auf Erden erhellen;
Dann sprudeln aus liebenden Herzen empor
Lebendige, segnende Quellen.
Drum hebet, Ihr Freunde, empor nun das Glas
und ruft mit begeistertem Munde:
"Hoch lebe die Fürstin, die Mutter des Landes,
Stets denken wir dankbar der Stunde!"
(von Robert Epplen)
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