Die Elfenbeinfiguren vom Vogelherd
Im Mai 1931 führte ein Dachs den Heimatforscher Hermann
Mohn zum Eingang der damals noch unbekannten Vogelherdhöhle.
Der Dachs hatte kleine steinzeitliche Feuersteinstückchen
aus dem Erdreich an die Oberfläche geschaffen. Mohn
erkannte diese und informierte den Urgeschichtler Dr. Gustav
Riek von der Universität Tübingen, der bereits am 5. Juli
1931 mit den Ausgrabungen an der Vogelherdhöhle begann.
Diese Ausgrabungen förderten 11
aus Mammutelfenbein geschnitzte Tierplastiken zu Tage -
ein sensationeller Fund, denn aus ihrer Entstehungszeit vor
30.000-40.000 Jahren waren bislang nur Gebrauchsgegenstände wie
z.B. Speerspitzen und Keile bekannt gewesen. Zusammen
mit den Kleinkunstwerken aus dem Geißenklösterle im Achtal
stellen die Figuren die ältesten datierten Kunsterzeugnisse
dar.

Die Figuren wurden an derselben Stelle aber in zwei unterschiedlichen
Grabungsschichten entdeckt. Dies bedeutet, daß sie zeitlich
Jahrzehnte wenn nicht gar Jahrhunderte voneinander getrennt
sind. Warum die Fundstücke vor über 30.000 Jahren an
derselben Stelle zurückgelassen wurden, läßt sich heute
nur noch erahnen, vielleicht hatte die Vogelherdhöhle für
die damaligen Menschen eine besondere mystische oder
religiöse Bedeutung.
Die untere Grabungsschicht förderte insgesamt sechs
Figuren zu Tage: Zwei Mammute, ein Wildpferd, ein Rentier,
einen Bären und eine Raubkatze, die von Gustav Riek
zunächst als Panther, später aber als Höhlenlöwe
identifiziert wurde. Zu den prachtvollsten Stücken gehört
eine 5cm große Mammutfigur, die mit fast allen
Körperteilen des Mammuts nachgebildet wurde. Auffallend sind jedoch die
fehlenden Stoßzähne sowie die X-Zeichen, die an Schulter,
Kopf, Lenden, Bauch und Schwanzwurzel eingekerbt wurden.

Neben dem Mammut kann das 4,8 cm große Pferdchen als das
Meisterstück des Vogelherds bezeichnet werden. Mit seinem
gebogenen Hals und seinen runden Formen wirkt es
außerordentlich elegant und spiegelt eindrucksvoll die
handwerklichen Fertigkeiten der frühen Menschen
wider.
Zu den in der oberen Grabungsschicht gefunden Plastiken
zählen ein Mammut, ein Bison, vermutlich ein Höhlenlöwe
sowie eine weitere Figur, die eine menschliche Gestalt
darstellen könnte. Keiner Schicht zugeordnet werden konnte der Kopf eines Höhlenlöwen.
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